“Gloria, Jubel, Pauken und Trompeten” – so titelte eine namhafte deutsche Zeitung die Rezension eines Konzerts von Ulrich Backofen. Andere bescheinigen ihm ein “schlüssiges Programmkonzept”, “sicheren Klangsinn”, “innige Empfindsamkeit”, eine “eigene Handschrift”, “bewegende Aufführung … begeistert gefeiert und umjubelt”. Ulrich Backofen verkörpert die großen Traditionen zentraleuropäischer Musikkultur, die ihre Wurzeln von Wien über Prag und Dresden bis nach Leipzig und Berlin und weiter in den Norden spannt.

Geboren in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden, war Ulrich Backofen von 1993 bis 2002 Künstlerischer Direktor des internationalen Sächsisch Böhmischen Musik Festivals in Dresden. Jährlich wechselnde offizielle Gastländer des Festivals waren Österreich, Frankreich, Großbritannien, Schweden, die Niederlande, die Schweiz, Norwegen und die USA. Während dieser Jahre arbeitete Backofen als Dirigent mit Orchestern wie den Prager Symphonikern, dem Trondheim Symphonie Orchester, L´Orchestre de chambre de Genève, Radio Symphonie Orchester Warschau, Staatsphilharmonie Brünn/Brno, Janácek Philharmonie Ostrava, Radio Symphonie Orchester Prag, und Chören wie dem London Philharmonic Choir, dem Philharmonischen Chor Dresden, Gewandhauschor Leipzig, Oslo Kammerkor, Bach-Chor Den Haag, dem Prager Philharmonischen Chor, dem Chor der Romanischen Schweiz sowie vielen namhaften internationalen Solisten zusammen.

Aufführungen fast des gesamten europäischen Oratorien-Repertoires, von Charpentier, Vivaldi und Zelenka, über Bach, Händel, Mozart, Beethoven, Schubert, Verdi, Bruckner, Dvorák, Grieg, Janácek, Mahler (Zweite Symphonie) bis hin zu Kompositionen unserer Zeit standen im Mittelpunkt der offiziellen Eröffnungs- und Abschlusskonzerte in der zentralen Dresdner Kreuzkirche, im Dresdner Schauspielhaus, in der Schlosskirche Chemnitz, im Theater Chemnitz und in der Basilika des 800 Jahre alten nordböhmischen Zisterzienser-Klosters Osek. In diesen Jahren konnte Backofen nicht nur unzählige persönliche Kontakte zu bedeutenden Künstlern und Ensembles aus fast allen europäischen Ländern und den USA knüpfen, sondern auch Kontakte zu europäischen Botschaftern, deutschen, tschechischen und internationalen Politikern und herausragenden Persönlichkeiten – wie der damaligen Königin Beatrix der Niederlande – welche Ehrengäste des Festivals waren.

Seit 1985 ist Ulrich Backofen als Gastdirigent bei namhaften deutschen, österreichischen, schweizer, mittel- und osteuropäischen Orchestern tätig. Er hat fast alle bedeutenden tschechischen Orchester dirigiert. Konzerte, CD- und Rundfunkproduktionen führten ihn zu Orchestern in Großstädten wie Bochum, Cottbus, Darmstadt, Essen, Hamburg, Hannover, Kiel, Magdeburg, München, Oldenburg, Reutlingen, Rostock, Saarbrücken, Stuttgart, Wiesbaden, Basel, Minsk, Odense, Prag, Tirana, Warschau, Wien, Wolgograd und vielen anderen (siehe Seite Programme/Ensembles). In den letzten Jahren dirigiert Backofen zunehmend auch namhafte Orchester der neuen Mitgliedsländer der Europäischen Union, so in Bulgarien (Plovdiv), Estland (Tallinn), Lettland (Liepaja), Litauen (Vilnius), Polen (Krakow, Katowice, Lodz, Lublin, Rzeszów), Rumänien (Arad, Bacau, Constanta, Iasi, Oradea, Timisoara). Auch in der südamerikanischen Metropole Bogotá ist Ulrich Backofen aufgetreten.

Konzerte unter seiner Leitung fanden statt in berühmten Konzertsälen wie Konzerthaus Berlin, Laeiszhalle Hamburg, Herkulessaal der Münchner Residenz, Liederhalle Stuttgart, Königliches Theater Kopenhagen, Rudolfinum Prag, ORF RadioKulturhaus Wien, Stadthaus Winterthur – mit symphonischem Repertoire sämtlicher wichtiger europäischer Komponisten von der Barockzeit bis zur Gegenwart.

Ulrich Backofen dirigierte als Gast auch mehrere Rundfunksinfonieorchester, so die NDR Radiophilharmonie Hannover, die Deutsche Radiophilharmonie Saarbrücken, das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, das Sinfonieorchester des Albanischen Rundfunks und Fernsehens Tirana, das Sinfonieorchester des Polnischen Rundfunks Warschau, das Sinfonieorchester des Tschechischen Rundfunks Prag. Bekannte Sender wie Bayerische Rundfunk (BR) München, Norddeutscher Rundfunk (NDR) Hannover, Radio Berlin-Brandenburg (rbb), Saarländischer Rundfunk (SR) Saarbrücken, Südwestrundfunk (SWR) Stuttgart, Schweizer Radio (SR DRS) Basel realisierten Rundfunkproduktionen unter Leitung von Ulrich Backofen; Mitteldeutscher Rundfunk (MDR) Leipzig, Deutschlandradio Köln, Tschechischer Rundfunk (CRo) Prag, Albanischer Rundfunk (RTSH) Tirana, Österreichischer Rundfunk (ORF) Wien sendeten Live-Mitschnitte seiner Konzerte.

Als Kind sang Ulrich Backofen im Dresdner Kreuzchor und im Kinderchor der Sächsischen Staatsoper. Nach seinem Studium an der Musikhochschule Dresden wurde er mit 19 Jahren Erster Geiger bei der Dresdner Philharmonie. Hier lernte er das gesamte sinfonische Repertoire unter den bedeutendsten Dirigenten des In- und Auslands kennen.

Sein künstlerisches Diplom als Dirigent hat Ulrich Backofen an der Musikhochschule Leipzig erworben, wo er Dirigieren bei Rolf Reuter, Olaf Koch und dem berühmten Kurt Masur sowie Komposition bei Siegfried Thiele studierte. In Weimar nahm er an Meisterkursen von Arvid Jansons und Igor Markevich teil. Nach seiner Befreiung aus dreizehnmonatiger politischer Haft in der DDR und seiner Ausweisung in den Westen Deutschlands im Jahre 1983 wurde er durch Michael Gielen gefördert, der ihn für einige Jahre als Gastdirigent für Bühnen- und Ballettmusik an das Opernhaus Frankfurt am Main verpflichtete.

Vor und nach der deutschen Wiedervereinigung leitete Backofen in seiner Heimatstadt Dresden und vielen anderen Städten (Augsburg, Berlin, Halle, Leipzig, Rostock, Schwerin, etc.) das Musica Viva Ensemble Dresden, bestehend aus hervorragenden Musikern beider großer Dresdner Orchester, der Dresdner Philharmonie und der Sächsischen Staatskapelle. Mit diesem Ensemble dirigierte er eine Reihe von Ur- und Erstaufführungen und, neben vielen klassischen Werken, auch das gesamte Repertoire für Kammerensemble des 20. Jahrhunderts: Schoenberg, Ives, Webern, Varèse, Boulez, Stockhausen, Dessau, Schnittke und viele andere.

Am 3.Oktober 2012, dem deutschen Nationalfeiertag, und am 17.Juni 2013, dem 50. Jahrestag des Volksaufstands in der DDR, strahlte das Erste Deutsche Fernsehen (ARD) in der Dokumentation des Filmemachers Jan Lorenzen zum zweiteiligen Fernsehfilm “Der Turm” Teile eines Interviews mit Ulrich Backofen aus. Auch beim Symposium der Sächsischen Akademie der Wissenschaften mit dem Titel “Autonomie und Lenkung.Die Künste im doppelten Deutschland” im April 2013 konnte Ulrich Backofen über seine persönlichen Erfahrungen mit DDR-Kulturbehörden, Staatssicherheit und Unrechtsjustiz in der DDR berichten.

Ulrich Backofen lebt heute in Wiesbaden. Er spricht Englisch, Französisch und Italienisch, auch etwas Tschechisch und Russisch.